RatgeberPeptiChat Redaktion · faktengeprüft 05.10.2026

Laborzertifikat (CoA) lesen: HPLC, Massenspektrometrie, Reinheit

Ein Analysenzertifikat, englisch Certificate of Analysis oder kurz CoA, ist bei Peptiden aus dem Graumarkt oft das einzige Dokument, das überhaupt etwas über den Inhalt aussagt. Umso wichtiger ist es, zu verstehen, was die einzelnen Zeilen bedeuten und was nicht. Ein CoA mit „99 % Reinheit“ klingt nach Sicherheit. Es kann aber echt und trotzdem für dein Fläschchen bedeutungslos sein, oder schlicht gefälscht. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Messverfahren und Begriffe und zeigt, woran du ein brauchbares Zertifikat von einem wertlosen unterscheidest. Wir empfehlen kein Labor und keinen Anbieter.

Nur Bildung & Information — keine medizinische Beratung, keine Anwendungs-/Dosieranleitung. Nachmachen geschieht auf eigenes Risiko (18+). Details im Disclaimer.

Was ein CoA ist

Ein CoA ist ein Prüfbericht. Er hält fest, welche Probe mit welcher Methode geprüft wurde und welches Ergebnis herauskam. Bei zugelassenen Arzneimitteln ist das Teil eines streng geregelten Systems: Die Prüfungen sind in der Zulassung festgelegt, die Methoden validiert, und die Freigabe jeder Charge erfolgt unter GMP-Regeln. Für synthetische Peptide hat die EMA dazu eine eigene Leitlinie, die seit Juni 2026 gilt.

Im Graumarkt fehlt dieses System. Ein CoA ist dort ein einzelnes Dokument ohne Zulassung dahinter. Was es aussagt, hängt allein davon ab, wer es erstellt hat, was genau gemessen wurde und ob die Probe wirklich aus deiner Charge stammt.

HPLC-Reinheit: der bekannteste und am häufigsten missverstandene Wert

Bei der Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) wird die Probe aufgetrennt, ein Detektor misst meist die UV-Absorption. Das Ergebnis ist ein Chromatogramm mit Peaks. Die „Reinheit“ in Prozent gibt an, welchen Anteil der Hauptpeak an der Fläche aller erkannten Peaks hat.

Das bedeutet: HPLC-Reinheit ist ein relativer Wert. Sie sagt, wie viel des UV-sichtbaren Materials auf das Hauptprodukt entfällt. Typische peptidverwandte Verunreinigungen sind laut Fachliteratur Fehlsequenzen mit fehlenden oder zusätzlichen Aminosäuren, verkürzte Ketten, Stereoisomere und Reste von Schutzgruppen aus der Synthese. Was unter der Messbedingung kein Signal gibt, etwa Wasser und Salze, taucht in dieser Rechnung nicht auf. Und die HPLC allein sagt nicht, ob der Hauptpeak überhaupt das richtige Peptid ist.

Gehalt und Netto-Peptidgehalt: wie viel Peptid wirklich drin ist

Ein Lyophilisat besteht nie nur aus Peptid. Synthetische Peptide liegen meist als Salz vor, häufig mit Trifluoracetat (TFA) oder Acetat als Gegenion, und sie enthalten nicht kovalent gebundenes Restwasser. Der Netto-Peptidgehalt gibt an, welcher Anteil der Masse tatsächlich Peptid ist. Bestimmt wird er zum Beispiel per Aminosäureanalyse.

Davon zu unterscheiden ist der Gehalt pro Fläschchen: Steckt die angegebene Menge drin? Ein Fläschchen kann eine hohe HPLC-Reinheit haben und trotzdem deutlich weniger oder mehr Peptid enthalten als aufgedruckt. Eine Untersuchung im Journal of Medical Internet Research (2024) kaufte Semaglutid ohne Rezept online. Von sechs Bestellungen kamen nur drei Fläschchen überhaupt an. In diesen lag die per LC-MS gemessene Reinheit bei nur 7,7 bis 14,4 %, obwohl 99 % beworben waren. Gleichzeitig lag der gemessene Semaglutid-Gehalt 29 bis 39 % über der aufgedruckten Menge, und in allen drei Proben wurden Endotoxine gefunden. Reinheit und Menge sind also zwei verschiedene Fragen, und beide können danebenliegen.

Achte also darauf, ob ein CoA nur „Purity“ nennt oder auch eine Mengenangabe in Milligramm pro Fläschchen. Nur die zweite sagt etwas darüber, was drin ist.

Massenspektrometrie: der Identitätsnachweis

Die Massenspektrometrie (MS) misst die Masse der Moleküle. Stimmt die gemessene Masse mit der berechneten Masse des Peptids überein, ist das ein starker Hinweis auf die richtige Identität. Häufig ist sie an die HPLC gekoppelt (LC-MS), dann lässt sich auch prüfen, was hinter Nebenpeaks steckt.

Grenzen gibt es auch hier. Eine Masse allein unterscheidet nicht zwischen Molekülen gleicher Masse, etwa Stereoisomeren, bei denen eine Aminosäure in der spiegelbildlichen Form eingebaut ist. Und MS ist primär ein Identitäts-, kein Mengennachweis. Ein CoA mit „Identity: confirmed“, aber ohne angegebene gemessene Masse oder ohne Spektrum, ist schwer nachzuprüfen.

Endotoxine, Schwermetalle, Sterilität: was HPLC und MS nicht erfassen

Reinheit und Identität sagen nichts über biologische Verunreinigungen. Für ein Produkt, das in den Körper gelangt, sind aber gerade diese Punkte sicherheitsrelevant.

  • Endotoxine: Bestandteile der Zellwand bestimmter Bakterien, die Fieber und Entzündungsreaktionen auslösen können. Gemessen wird mit dem LAL-Test (Limulus-Amöbozyten-Lysat) nach USP <85> bzw. Ph. Eur. 2.6.14, angegeben in Endotoxin-Einheiten (EU) pro mg oder ml. Steril heißt nicht endotoxinfrei: In der oben genannten JMIR-Studie waren alle drei Proben frei von lebenden Keimen, enthielten aber trotzdem Endotoxine.
  • Elementare Verunreinigungen (Schwermetalle): Für Arzneimittel regelt die Leitlinie ICH Q3D, welche Elemente (z. B. Blei, Cadmium, Arsen, Quecksilber) bis zu welcher Menge zulässig sind. Gemessen wird typischerweise per ICP-MS.
  • Sterilität: Die Sterilitätsprüfung nach Ph. Eur. 2.6.1 bzw. USP <71> untersucht eine Stichprobe auf Keimwachstum. Die Arzneibücher sagen selbst, dass dieser Test allein nicht sicherstellen kann, dass eine Charge steril ist. Ein negatives Ergebnis bedeutet nur, dass in der geprüften Probe nichts gewachsen ist.
  • Restlösungsmittel und Gegenionen: Reste aus der Synthese, etwa TFA, sind ebenfalls Prüfpunkte in der pharmazeutischen Qualitätskontrolle.

Hersteller-Zertifikat oder unabhängige Prüfung

Ein Zertifikat, das der Verkäufer oder sein Hersteller selbst ausstellt, ist eine Eigenangabe. Ein unabhängiges Prüflabor hat dagegen kein eigenes Interesse am Ergebnis. Ob ein Labor nach den Anforderungen für Prüflaboratorien arbeitet, zeigt eine Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025. In Deutschland vergibt sie die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS), die ihre akkreditierten Stellen in einer öffentlichen Datenbank führt. Wichtig: Eine Akkreditierung gilt für bestimmte Verfahren, nicht automatisch für jede Analyse eines Labors.

Viele Prüfberichte lassen sich beim ausstellenden Labor online verifizieren, über eine Auftragsnummer und einen Prüfschlüssel. Wie das konkret geht, zeigt unser Werkzeug zum Zertifikat-Prüfen.

Typische Fälschungsmerkmale

Gefälschte oder zweckentfremdete Zertifikate sind im Graumarkt verbreitet. Die häufigsten Muster:

  • Kopiertes echtes Zertifikat: Der Bericht existiert, gehört aber zu einem anderen Auftraggeber, einer anderen Substanz oder einer anderen Charge.
  • Keine Chargennummer oder eine, die nicht zur Beschriftung deines Fläschchens passt.
  • Nicht überprüfbares Labor: kein vollständiger Name, keine Adresse, keine Möglichkeit zur Online-Verifikation.
  • Keine Methodenangabe: nur Zahlen, ohne Hinweis auf HPLC, MS oder Prüfbedingungen, ohne Chromatogramm oder Spektrum.
  • Auffällig runde oder immer gleiche Werte über viele Chargen hinweg.
  • Verifikationslink vom Verkäufer: Prüfe immer direkt auf der Seite des Labors, nicht über einen zugeschickten Link.

Was ein CoA nicht beweist

Ein CoA gilt nur für die geprüfte Probe. Selbst ein echtes, unabhängiges Zertifikat sagt nichts über andere Chargen, und streng genommen auch nicht sicher etwas über andere Fläschchen derselben Charge, wenn die Herstellung nicht kontrolliert ist. Es sagt nichts darüber, wie die Ware danach gelagert und transportiert wurde. Und es ersetzt keine pharmazeutische Herstellung: Graumarkt-Peptide sind nicht nach Arzneimittelstandard produziert und geprüft, auch wenn das Zertifikat gut aussieht.

Das heißt nicht, dass Zertifikate wertlos sind. Ein überprüfbarer, unabhängiger Bericht mit Chargenbezug ist deutlich mehr als nichts. Er ist eine Momentaufnahme, keine Garantie.

Häufige Fragen

Was bedeutet HPLC-Reinheit 99 %?

Dass 99 % der Peakfläche im Chromatogramm auf den Hauptpeak entfallen. Das ist ein relativer Wert: Er sagt nichts über Wasser und Salze, nichts darüber, wie viel Milligramm im Fläschchen sind, und ohne Massenspektrometrie auch nicht sicher, ob der Hauptpeak das richtige Peptid ist.

Was ist der Unterschied zwischen Reinheit und Peptidgehalt?

Reinheit (HPLC) beschreibt den Anteil des Hauptprodukts am UV-sichtbaren Material. Der Netto-Peptidgehalt beschreibt, wie viel der gesamten Masse tatsächlich Peptid ist, denn ein Lyophilisat enthält auch Gegenionen wie TFA oder Acetat und Restwasser. Beide Werte können weit auseinanderliegen.

Wofür braucht man Massenspektrometrie?

Für die Identität. Die MS misst die Molekülmasse und zeigt, ob sie zur erwarteten Masse des Peptids passt. Sie ersetzt keine Mengenbestimmung und unterscheidet keine Moleküle gleicher Masse, etwa Stereoisomere.

Wie erkenne ich ein gefälschtes Laborzertifikat?

Typisch sind fehlende oder unpassende Chargennummern, Labore ohne nachprüfbare Identität, fehlende Methodenangaben und echte Berichte, die zu einem anderen Auftraggeber oder einer anderen Substanz gehören. Verifiziere den Bericht immer selbst direkt beim Labor und vergleiche Substanz, Menge und Charge mit deinem Fläschchen.

Ist ein Peptid mit CoA sicher?

Nein, nicht automatisch. Ein CoA ist eine Momentaufnahme für eine Probe. Endotoxine, Sterilität und Gehalt werden oft gar nicht geprüft, und die Ware ist nicht nach Arzneimittelstandard hergestellt. Ein gutes CoA senkt das Risiko, es schließt es nicht aus.

Quellen

  1. EMA — Guideline on the development and manufacture of synthetic peptides (EMA/CHMP/CVMP/QWP/367182/2025), gültig ab 01.06.2026.
  2. D'Hondt M et al. — Related impurities in peptide medicines. J Pharm Biomed Anal 2014;101:2–30.
  3. Ashraf AR et al. — Multifactor Quality and Safety Analysis of Semaglutide Products Sold by Online Sellers Without a Prescription. J Med Internet Res 2024 (PMC11582493).
  4. Citropin 1.1 — Trifluoroacetate to Chloride Counter-Ion Exchange (PMC5918489): TFA als Gegenion synthetischer Peptide.
  5. FDA — Guidance for Industry: Pyrogen and Endotoxins Testing: Questions and Answers (USP <85>, LAL-Test).
  6. EMA — ICH Q3D Elemental impurities (R2).
  7. USP <71> Sterility Tests (harmonisiert mit Ph. Eur. 2.6.1): Grenzen der Sterilitätsprüfung.
  8. DAkkS — Prüf- und Kalibrierlabore nach DIN EN ISO/IEC 17025, Datenbank akkreditierter Stellen.
Gegen Primärquellen geprüft — kein Forencontent als Quelle. Keine Dosier- oder Anwendungsanleitung. Wie wir prüfen.