Lexikon & Studienfaktengeprüft 05.10.2026
Evidenz🧑 Human-RCT🧪 klein/unkontrolliert⚙️ mechanistisch🐭 nur Tier❓ unbelegt

Substanzprofil

KPV

Lys-Pro-Val · α-MSH (11–13)

Tripeptid aus dem Ende des Hormons α-MSH — im Tiermodell entzündungshemmend, online als Darm- und Haut-Wundermittel vermarktet, am Menschen nie untersucht.

Nur Bildung & Information — keine medizinische Beratung, keine Anwendungs-/Dosieranleitung. Nachmachen geschieht auf eigenes Risiko (18+). Details im Disclaimer.
Klasse
Tripeptid (3 AS): Lysin-Prolin-ValinMW ~342 Da
Herkunft
C-terminales Ende (AS 11–13) von α-MSHα-MSH = Hormon aus der Hypophyse
Abgrenzung
kein Bräunungs-Peptidbindet MC1R in Versuchen nicht nennenswert — anders als Melanotan
Untersucht in
Tier- und Laborversuchen (Darm, Haut, Wunden)keine Anwendungs-/Dosier-Empfehlung von uns
Humandaten
keineFDA 2026: keine Studie, keine PK, kein Fallbericht; clinicaltrials.gov ohne Eintrag
Zulassung DE/EU/US
keine — nirgends zugelassen
WADA-Status
nicht namentlich gelistetals nirgends zugelassene Substanz nach Wortlaut von S0 erfasst — jederzeit verboten
Evidenzgrad gesamt
🐭 konsistent · ⚙️ plausibel · 🧑 keine

Einordnung & Wirkmechanismus

KPV sind die drei letzten Aminosäuren von α-MSH (alpha-Melanozyten-stimulierendes Hormon). α-MSH wirkt über Melanocortin-Rezeptoren — über MC1R auf die Pigmentbildung, über MC3/4/5 entzündungshemmend. Naheliegend wäre, dass KPV dasselbe tut. Die Daten sagen etwas anderes.

Kein klassischer Melanocortin-Wirkstoff: KPV verdrängte α-MSH in Laborversuchen nicht von seinen Bindungsstellen und erhöhte in MC1R-tragenden Zellen nicht den Botenstoff cAMP. Auch MC2-, MC3- und MC4-Rezeptoren waren an der Entzündungshemmung im Versuch nicht beteiligt (Getting et al. 2003). Der eigentliche Angriffspunkt ist laut FDA unbekannt.

⚙️ mechanistisch🐭 nur Tier

Diskutierte Mechanismen: Hemmung des Entzündungsschalters NF-κB und der Wirkung entzündlicher Botenstoffe wie Interleukin-1β. In Darmzellen wird KPV über den Peptid-Transporter PepT1 aufgenommen (Dalmasso et al. 2008) — daher das Interesse an einer Darm-Anwendung.

⚙️ mechanistisch

Haut lässt KPV kaum durch: An menschlicher Leichenhaut drang KPV im Labor kaum über die äußerste Hautschicht hinaus (Pawar et al. 2017, zitiert nach FDA). Das spricht gegen eine nennenswerte Wirkung einfacher Cremes — und zugleich gegen starke Aufnahme in den Körper.

⚙️ mechanistisch

Studienlage — ehrlich eingeordnet

Die Präklinik ist nicht nichts — aber sie ist alles, was es gibt. Was online zu KPV kursiert (Darm, Haut, Histamin, Long-COVID, Schimmel, Borreliose), stammt laut FDA von Anbieter- und Praxis-Webseiten, nicht aus Studien.

Darmentzündung im Tier: In zwei unabhängigen Maus-Modellen chemisch ausgelöster Kolitis senkte KPV Entzündungszeichen und Gewebeschäden (Dalmasso et al. 2008; Kannengiesser et al. 2008). Das ist die stärkste Datenbasis — und sie ist rein tierexperimentell.

🐭 nur Tier

Wundheilung im Tier: Nagetier-Modelle zeigten bessere Wundheilung; Forschende halten deshalb ausdrücklich erst klinische Studien für nötig, bevor man über einen Einsatz bei Hautwunden sprechen kann (Böhm & Luger 2019, zitiert nach FDA).

🐭 nur Tier

Am Menschen: nichts. Die FDA durchsuchte für ihre Bewertung PubMed, Embase, ClinicalTrials.gov und ihre Meldedatenbanken: keine klinische Studie, keine Pharmakokinetik, kein Fallbericht. Auch Toxizitäts-, Erbgut-, Fortpflanzungs- und Krebsstudien im Tier fand sie nicht. Im US-Studienregister gibt es keinen Eintrag zu KPV.

❓ unbelegt

Regulatorisch in Bewegung, wissenschaftlich nicht: Die FDA strich KPV im April 2026 von ihrer „Nicht herstellen“-Liste (Kategorie 2), weil der Antrag zurückgezogen war. Im Juli 2026 empfahlen die FDA-Fachleute, KPV nicht für die Apotheken-Herstellung freizugeben; das Beratergremium stimmte knapp dafür (8:6:1). Das Votum ist nicht bindend — und es ändert nichts an der fehlenden Humanevidenz.

❓ unbelegt

🚩 Warn- und Risikosignale

  • Null Sicherheitsdaten: Weder Kurz- noch Langzeit-Toxizität sind untersucht — auch nicht im Tier. „Körpereigenes Fragment“ heißt nicht „harmlos in jeder Menge“.
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa): Wer eine wirksame, ärztlich verordnete Therapie für ein Experiment mit KPV pausiert, riskiert einen Schub. Blut im Stuhl, Fieber, starke Bauchschmerzen → sofort ärztlich abklären.
  • Graumarkt-Ware: Die FDA fand unter dem Namen „KPV“ verschiedene Salze und Abkömmlinge mit teils anderem Wirkstoff — Identität, Reinheit und Sterilität sind nicht garantiert.
  • Kombi-Präparate: KPV wird laut FDA oft als „Regenerations-Kombi“ mit BPC-157, TB-500 und anderen beworben — jede Komponente ohne Humandaten, die Kombination erst recht.
  • Sportler: KPV ist nirgends zugelassen und fällt damit nach dem Wortlaut der WADA-Klausel S0 unter die jederzeit verbotenen Substanzen. Im Zweifel vorher bei der NADA nachfragen.
Die zentrale Harm-Reduction-Botschaft: KPV ist eine interessante Forschungsidee mit konsistenten Tierdaten bei Darm- und Hautentzündung — und mit null Humandaten. Es gibt keine Studie am Menschen, keine Daten zur Aufnahme im Körper und keine Toxikologie. Was online als „Wirkung“ zirkuliert, sind Erfahrungsberichte und Werbetexte, keine Belege. KPV ist nirgends zugelassen. Wer eine chronisch-entzündliche Darm- oder Hauterkrankung hat, für die es geprüfte Therapien gibt, sollte diese nicht durch ein ungeprüftes Peptid ersetzen. Wir geben keine Dosier- oder Anwendungsempfehlung.

Das sagt die Community

Erfahrungen und Fragen aus dem Forum — Erfahrungsaustausch, keine Empfehlung von uns.

Alle 15 Beiträge zu KPV →
Konzentration & Spritzen-Einheiten ausrechnen — reine Umrechnung, keine Dosierempfehlung. Rekonstitutions-Rechner →

Quellen

  1. FDA Briefing Document — Evaluation of KPV-Related Bulk Drug Substances, PCAC 23./24.07.2026: keine Humanstudien, Mechanismus unklar, Empfehlung gegen Aufnahme.
  2. FDA — Pharmacy Compounding Advisory Committee, Sitzung 23./24.07.2026 (Tagesordnung & Unterlagen).
  3. McDermott (Kanzlei) — „Bulk-list bound? PCAC backs majority of peptides“, 27.07.2026 (Abstimmung KPV: 8 ja, 6 nein, 1 Enthaltung; Kategorie-2-Streichung April 2026).
  4. RAPS — FDA advisory committee votes, 24.07.2026 (Voten nicht bindend).
  5. Dalmasso G et al. — PepT1-mediated tripeptide KPV uptake reduces intestinal inflammation. Gastroenterology 2008, PMID 18061177.
  6. Kannengiesser K et al. — Melanocortin-derived tripeptide KPV has anti-inflammatory potential in murine models of inflammatory bowel disease. Inflamm Bowel Dis 2008, PMID 18092346.
  7. Getting SJ, Schiöth HB, Perretti M — Dissection of the anti-inflammatory effect of the core and C-terminal (KPV) α-MSH peptides. J Pharmacol Exp Ther 2003, PMID 12750433.
  8. ClinicalTrials.gov — Suche „KPV“ / „lysine-proline-valine“: keine registrierte Studie (abgerufen 05.10.2026).
  9. WADA Prohibited List 2026 — S0 „Non-approved substances“ (Substanzen ohne jede behördliche Zulassung am Menschen, jederzeit verboten).

Weitere im Lexikon

Unabhängig gegen Primärliteratur geprüft — kein Forencontent als Quelle. Keine Dosier-/Anwendungsanleitung. Redaktioneller Stand: 05.10.2026.