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PEPS WITH PHIL | #08 CEREBROLYSIN – „Gehirn-Doping“ aus Peptiden oder völlig überschätzter Nootropic-Hype?

von philleichtRang 5 — VeteranVeteranvor 13 Tagen47 Aufrufe(bearbeitet)

Heute geht es um einen Stoff, der in der Nootropic- und Peptid-Szene fast schon einen legendären Ruf besitzt:

Cerebrolysin.

Fokus, Gedächtnis, Neuroplastizität, Regeneration des Gehirns – teilweise liest man sogar Begriffe wie „Brain Repair“.

Das klingt natürlich extrem interessant.

Cerebrolysin unterscheidet sich aber von vielen Stoffen unserer bisherigen Reihe in einem entscheidenden Punkt:

Hier gibt es tatsächlich Humanstudien.

Aber bedeutet das automatisch, dass ein gesunder Mensch dadurch geistig leistungsfähiger wird?

Genau das schauen wir uns heute an.

Was ist Cerebrolysin?

Zunächst eine wichtige Besonderheit:

Cerebrolysin ist kein einzelnes Peptid.

Es handelt sich um ein Präparat aus niedrigmolekularen Peptiden und freien Aminosäuren, das aus Schweinehirngewebe gewonnen wird.

Die Grundidee dahinter ist Neurotrophie.

Neurotrophe Faktoren beeinflussen unter anderem:

  • Überleben von Nervenzellen
  • neuronale Entwicklung
  • Neuroplastizität
  • synaptische Funktion
  • Reparaturprozesse

Cerebrolysin soll einige dieser Effekte funktionell nachahmen.

Deshalb wird es seit Jahrzehnten im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen untersucht.

Was soll im Gehirn passieren?

Präklinische Arbeiten bringen Cerebrolysin unter anderem mit folgenden Prozessen in Verbindung:

  • Schutz von Nervenzellen
  • Neurogenese
  • synaptische Plastizität
  • neuronale Regeneration
  • Beeinflussung entzündlicher Prozesse
  • Verbesserung bestimmter neuronaler Signalwege

Und genau daraus entsteht natürlich der Biohacking-Gedanke:

Wenn ein Stoff geschädigte Nervenzellen unterstützen kann – könnte er dann auch ein gesundes Gehirn optimieren?

Theoretisch klingt das interessant.

Wissenschaftlich ist dieser Schritt aber bisher nicht überzeugend belegt.

Cerebrolysin und Alzheimer

Hier gibt es eine der besseren Human-Datenlagen.

Eine wichtige Auswertung ist:

Gauthier et al. (2015), „Cerebrolysin in mild-to-moderate Alzheimer’s disease: a meta-analysis of randomized controlled clinical trials“.

Dabei wurden sechs randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studien ausgewertet.

Die Analyse fand Hinweise auf Verbesserungen bei bestimmten kognitiven und globalen klinischen Parametern.

Auch eine frühere Studie:

Panisset et al. (2002), randomisierte Untersuchung bei 192 Alzheimer-Patienten

berichtete Verbesserungen bei bestimmten klinischen Endpunkten.

Das ist deutlich mehr, als man bei vielen Research-Nootropics findet.

Aber:

Wir sprechen hier über Menschen mit neurologischer Erkrankung.

Nicht über gesunde Menschen, die einfach fokussierter arbeiten möchten.

Cerebrolysin und vaskuläre Demenz

Auch hierzu gibt es Forschung.

Eine Cochrane-Auswertung von Cui et al. (2019) untersuchte sechs randomisierte Studien mit insgesamt knapp 600 Teilnehmern.

Es gab Hinweise auf Verbesserungen bei:

  • Kognition
  • allgemeiner Funktion
  • bestimmten klinischen Bewertungsparametern

Allerdings wurde die Qualität der Evidenz als sehr niedrig eingestuft.

Die Studien waren teilweise klein, unterschiedlich aufgebaut und methodisch nicht optimal.

Das heißt:

Interessantes Signal – aber kein eindeutiger Beweis.

Was ist mit Schädel-Hirn-Trauma?

Auch hier wurde Cerebrolysin untersucht.

In der Studie CAPTAIN I erhielten Patienten mit moderatem bis schwerem Schädel-Hirn-Trauma Cerebrolysin zusätzlich zur Standardtherapie.

Einzelne kognitive Tests zeigten Vorteile.

Beim primären kombinierten Endpunkt wurde die statistische Signifikanz jedoch nicht eindeutig erreicht.

Darauf folgte später CAPTAIN II, eine weitere randomisierte, doppelblinde Untersuchung zur Neurorecovery nach Schädel-Hirn-Trauma.

Auch hier zeigte sich:

Das Thema ist wissenschaftlich spannend – aber noch nicht abschließend geklärt.

Macht Cerebrolysin Gesunde schlauer?

Und hier wird es für mich am interessantesten.

In Nootropic-Communities berichten Anwender unter anderem von:

  • mehr Fokus
  • besserer Wortfindung
  • mentaler Klarheit
  • Motivation
  • besserem Gedächtnis

Das klingt natürlich verlockend.

Aber:

Die klinische Forschung zu Cerebrolysin beschäftigt sich überwiegend mit Menschen mit neurologischen Erkrankungen oder Hirnverletzungen.

Ein Stoff kann bei einem geschädigten Gehirn Funktionen verbessern, ohne bei einem gesunden Gehirn automatisch zusätzliche Leistungsfähigkeit zu erzeugen.

Für einen echten „Cognitive Enhancement“-Effekt bei gesunden Menschen fehlt derzeit eine überzeugende hochwertige Human-Datenlage.

Anwendung

Cerebrolysin unterscheidet sich auch hier von klassischen kleinen Research-Peptiden.

In klinischen Studien wurde es parenteral angewendet, häufig intravenös und teilweise in relativ großen Volumina.

Das ist medizinisch eine ganz andere Kategorie als eine einfache kleine subkutane Peptidinjektion.

Deshalb würde ich irgendwelche Community-Protokolle nicht mit einer klinisch etablierten Anwendung gleichsetzen.

Nebenwirkungen

In klinischen Studien wurde Cerebrolysin insgesamt häufig als relativ gut verträglich beschrieben.

Berichtet wurden unter anderem:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Unruhe
  • Übelkeit
  • Schwitzen
  • Wärmegefühl
  • gastrointestinale Beschwerden

In der Alzheimer-Studie von Panisset et al. (2002) gehörten unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel und Angst zu den berichteten Nebenwirkungen.

Trotzdem gilt:

Gut verträglich in einer Studie bedeutet nicht automatisch langfristig risikofrei.

Gerade für eine wiederholte Anwendung bei gesunden Menschen fehlt eine solide Langzeitdatenbasis.

Vorteile

  • echte Humanstudien vorhanden
  • interessante neurotrophe Mechanismen
  • Forschung bei Alzheimer und vaskulärer Demenz
  • Studien zur Neurorecovery nach Hirnverletzungen
  • deutlich mehr klinische Forschung als bei vielen experimentellen Nootropics
  • spannendes Thema für Neuroplastizität und Regeneration

Nachteile

  • kein überzeugender Nachweis als Cognitive Enhancer bei Gesunden
  • Qualität der Evidenz je nach Erkrankung sehr unterschiedlich
  • einige Studien klein oder methodisch limitiert
  • parenterale Anwendung
  • Langzeitanwendung bei gesunden Menschen kaum untersucht
  • neurologische Therapie lässt sich nicht einfach auf Biohacking übertragen

Phil’s Take

Cerebrolysin finde ich richtig spannend.

Vor allem nach Stoffen wie Adamax sieht man hier einen deutlichen Unterschied.

Bei Adamax kämpfen wir teilweise schon damit, überhaupt direkte Forschung zu finden.

Bei Cerebrolysin können wir tatsächlich über randomisierte Humanstudien sprechen.

Das macht den Stoff für mich automatisch interessanter.

Aber ich sehe gleichzeitig einen Denkfehler, der in der Nootropic-Szene oft gemacht wird:

Neuroprotektion ist nicht automatisch Gehirn-Doping.

Wenn jemand nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder bei einer neurologischen Erkrankung von einer Behandlung profitiert, heißt das nicht automatisch, dass ein gesunder Mensch dadurch plötzlich fokussierter, produktiver oder intelligenter wird.

Und genau dieser Beweis fehlt mir momentan.

Meine aktuelle Einordnung:

Als neuroregeneratives Forschungsgebiet extrem spannend. Als Smart Drug für gesunde Menschen deutlich stärker gehypt, als die Human-Daten momentan hergeben.

Trotzdem gehört Cerebrolysin für mich zu den Stoffen, die ich weiter beobachten würde.

Denn anders als bei vielen experimentellen Nootropics gibt es hier zumindest eine echte klinische Grundlage, über die man diskutieren kann.

Spannend? Absolut.

Bewiesenes Gehirn-Upgrade für Gesunde? Noch nicht.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der wissenschaftlichen Information und stellt keine Empfehlung zur Anwendung von Cerebrolysin dar

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2 Kommentare
HAhansRang 5 — VeteranVeteran3vor 13 Tagen

Danke für den Beitrag. Das gehört tatsächlich zu den Stoffen mit denen ich sogut wie keine Berührungspunkte habe. Ich bleibe persönlich lieber im Bereich der klassischen Peptide.

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PHphilleichtOPRang 5 — VeteranVeteran1vor 13 Tagen

Ich Selbst finds ziemlich interessant muss ich sagen Aber man kann ja auch nicht alles ausprobieren Und intravenös schreckt mich auch ab.

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