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Blutwerte & Gesundheit Sicherheit

LABS WITH PHIL | #01 TESTOSTERON, SHBG & FREIES TESTOSTERON – WAS SAGEN DIE WERTE WIRKLICH?

von philleichtRang 5 — VeteranVeteranvor 5 Tagen44 Aufrufe

Willkommen bei Labs with Phil.

Das Prinzip der Reihe ist simpel:

Drei Werte. Ein Zusammenhang. Dein Blutbild verstehen.

Wir schauen uns an, was ein Wert bedeutet, wann er erhöht oder erniedrigt sein kann und vor allem, welche anderen Werte man gleichzeitig betrachten sollte.

Heute starten wir direkt mit einem Klassiker:

Gesamt-Testosteron, SHBG und freies Testosteron.

Denn gerade hier sieht man perfekt, warum eine einzelne Zahl oft kaum ausreicht.

1. Gesamt-Testosteron

Testosteron beeinflusst unter anderem:

Libido, Muskelmasse, Knochen, Sexualfunktion und Erythrozytenbildung.

Beim normalen Blutbild wird häufig zunächst das Gesamt-Testosteron bestimmt.

Das Problem:

Nicht das gesamte Testosteron steht dem Körper frei zur Verfügung.

Ein großer Teil ist an SHBG und Albumin gebunden. Nur ein kleiner Anteil zirkuliert frei.

Bei erwachsenen Männern liegen Referenzbereiche je nach Labor häufig ungefähr bei 300–1.000 ng/dl beziehungsweise 10–35 nmol/l.

Der entscheidende Wert ist aber immer der Referenzbereich des jeweiligen Labors.

Was kann ein niedriger Wert bedeuten?

Mögliche Ursachen sind unter anderem:

Erkrankungen der Hoden oder Hypophyse, starkes Kaloriendefizit, Übergewicht, Schlafprobleme, akute Erkrankungen oder bestimmte Medikamente.

Ein einzelner niedriger Wert bedeutet aber noch keinen Testosteronmangel.

Bei Männern sollte Testosteron für eine diagnostische Beurteilung normalerweise morgens gemessen und ein auffällig niedriger Wert bestätigt werden.

2. SHBG

SHBG steht für:

Sex Hormone-Binding Globulin.

Dieses Protein bindet unter anderem Testosteron.

Und damit wird es extrem wichtig.

Zwei Männer können exakt dasselbe Gesamt-Testosteron besitzen – aber völlig unterschiedliche Mengen an freiem Testosteron.

Warum?

Weil einer möglicherweise ein deutlich höheres SHBG besitzt.

Hohes SHBG

Bei hohem SHBG wird mehr Testosteron stark gebunden.

Dadurch kann das Gesamt-Testosteron normal aussehen, während das freie Testosteron vergleichsweise niedrig ist.

Mögliche Zusammenhänge gibt es beispielsweise mit Schilddrüsenüberfunktion, bestimmten Lebererkrankungen, Östrogenen, Medikamenten oder Alter.

Niedriges SHBG

Niedriges SHBG sieht man unter anderem häufiger bei:

Insulinresistenz, Übergewicht und Schilddrüsenunterfunktion.

Interessant ist dabei:

Ein niedriges SHBG kann das Gesamt-Testosteron niedriger erscheinen lassen, obwohl das freie Testosteron nicht genauso stark reduziert ist.

Genau deshalb sollte man Testosteron nicht isoliert betrachten.

3. Freies Testosteron

Freies Testosteron ist der kleine Anteil, der nicht an SHBG oder Albumin gebunden ist.

Gerade wenn Gesamt-Testosteron und SHBG nicht richtig zusammenpassen, wird dieser Wert besonders interessant.

Freies Testosteron kann direkt mit speziellen Verfahren bestimmt oder anhand von:

Gesamt-Testosteron + SHBG + Albumin

berechnet werden.

Hier sollte man allerdings keinen universellen Internet-Referenzbereich verwenden.

Die Werte hängen stark von Messverfahren und Einheit ab.

Deshalb zählt der Referenzbereich des jeweiligen Labors.

Jetzt wird es interessant

Die drei Werte ergeben erst gemeinsam ein sinnvolles Bild.

Beispiel 1

Gesamt-Testosteron normal SHBG normal Freies Testosteron normal

→ zunächst relativ unauffällig.

Beispiel 2

Gesamt-Testosteron normal SHBG hoch Freies Testosteron niedrig

→ das Gesamt-Testosteron alleine könnte die Situation deutlich besser aussehen lassen.

Beispiel 3

Gesamt-Testosteron niedrig SHBG niedrig Freies Testosteron normal

→ hier wäre die Aussage „Testosteronmangel“ aufgrund des Gesamtwertes möglicherweise zu voreilig.

Und genau daraus entsteht die wichtigste Lektion:

TESTOSTERON IST NICHT NUR EINE ZAHL.

Welche Werte wären zusätzlich interessant?

Wenn etwas auffällig ist, können abhängig von der Situation weitere Werte sinnvoll sein:

LH und FSH – zeigen, wie die hormonelle Steuerung zwischen Gehirn und Hoden funktioniert.

Prolaktin – kann bei bestimmten hormonellen Problemen relevant sein.

Estradiol – ebenfalls Teil des hormonellen Gesamtbildes.

TSH – weil auch die Schilddrüse unter anderem SHBG beeinflussen kann.

Diese Werte bekommen später natürlich ihre eigenen Folgen.

Phil’s Check

Wenn ihr aus Folge eins drei Dinge mitnehmt:

  1. Gesamt-Testosteron alleine reicht häufig nicht.

  2. SHBG beeinflusst massiv, wie Testosteron interpretiert werden muss.

  3. Freies Testosteron wird besonders interessant, wenn Gesamt-Testosteron und SHBG nicht zusammenpassen.

Statt also nur zu fragen:

„Mein Testo ist 600 – ist das gut?“

würde ich lieber fragen:

Wie sieht mein komplettes hormonelles Bild aus?

Vor der Blutabnahme

Bei Männern sollte Testosteron zur diagnostischen Beurteilung normalerweise morgens bestimmt werden.

Schlaf, akute Erkrankungen, Ernährung und Medikamente können die Werte beeinflussen.

Deshalb gilt auch hier:

Ein einzelner Laborwert ist keine Diagnose.

Mein Fazit

Genau dafür gibt es Labs with Phil.

Nicht einfach Zahlen auswendig lernen.

Sondern verstehen:

Was bedeutet der Wert?

Warum kann er verändert sein?

Welche anderen Werte gehören dazu?

Und vor allem:

Wann erzählt eine einzelne Zahl eben nicht die ganze Geschichte?

Testosteron, SHBG und freies Testosteron sind dafür der perfekte Einstieg.

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