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Blutwerte & Gesundheit Sicherheit

LABS WITH PHIL | #03 ALT/GPT, AST/GOT & GGT – WAS SAGEN DEINE LEBERWERTE WIRKLICH?

von philleichtRang 5 — VeteranVeteranvor 3 Tagen26 Aufrufe

Willkommen zu Folge 3 von Labs with Phil.

Das Prinzip bleibt:

Drei Werte. Ein Zusammenhang. Dein Blutbild verstehen.

Heute geht es um drei Klassiker, die fast jeder schon einmal auf einem Laborzettel gesehen hat:

ALT/GPT, AST/GOT und GGT.

Und direkt vorweg:

Ein erhöhter „Leberwert“ bedeutet nicht automatisch, dass deine Leber kaputt ist.

Vor allem bei Sportlern kann das Ganze deutlich komplizierter sein.

1. ALT / GPT

ALT steht für Alanin-Aminotransferase.

Im deutschen Labor findet man häufig noch die Bezeichnung GPT.

ALT kommt besonders stark in der Leber vor und gilt deshalb als relativ lebernaher Marker.

Wenn Leberzellen geschädigt oder stärker belastet werden, kann ALT ins Blut freigesetzt werden.

Was ist normal?

Typische obere Referenzgrenzen liegen je nach Labor, Geschlecht und Messmethode grob häufig im Bereich von etwa 35–50 U/l.

Aber auch hier gilt:

Der Referenzbereich deines eigenen Labors zählt.

Was kann eine erhöhte ALT bedeuten?

Mögliche Zusammenhänge gibt es unter anderem mit:

Fettleber, Alkohol, Hepatitis, Medikamenten, bestimmten Nahrungsergänzungen oder anderen Leberbelastungen.

Auch starkes Training kann ALT beeinflussen, vor allem wenn gleichzeitig andere Muskelmarker erhöht sind.

Was ist mit niedriger ALT?

Eine niedrige ALT ist normalerweise deutlich weniger interessant als eine erhöhte.

Sie wird in der Regel nicht als Zeichen einer „zu schwachen Leber“ interpretiert.

2. AST / GOT

AST bedeutet Aspartat-Aminotransferase.

Im deutschen Labor heißt sie häufig GOT.

Und hier kommt ein wichtiger Unterschied:

AST befindet sich nicht nur in der Leber.

Sie kommt auch in:

Skelettmuskulatur, Herz und anderen Geweben

vor.

Genau deshalb kann ein erhöhter AST-Wert bei Sportlern schnell für Verwirrung sorgen.

Was ist normal?

Auch hier liegen obere Referenzgrenzen je nach Labor häufig grob im Bereich von ungefähr 35–50 U/l.

Die konkrete Laborreferenz ist aber wichtiger als jede allgemeine Tabelle.

Was kann AST erhöhen?

Natürlich kommen Lebererkrankungen infrage.

Aber eben auch:

hartes Krafttraining und Muskelschäden.

Wenn du beispielsweise am Tag vor der Blutabnahme schwere Beine trainiert hast, kann AST erhöht sein, obwohl die Ursache zumindest teilweise aus der Muskulatur kommt.

Deshalb wird AST nie besonders sinnvoll isoliert betrachtet.

Interessant werden zusätzlich:

ALT, GGT und CK.

CK – Kreatinkinase – ist ein Marker, der bei starker Muskelbelastung häufig deutlich ansteigt.

Wenn AST und CK nach hartem Training erhöht sind, während GGT unauffällig bleibt, sieht die Geschichte plötzlich ganz anders aus als bei mehreren gleichzeitig erhöhten leberspezifischen Markern.

3. GGT

GGT steht für Gamma-Glutamyltransferase.

Dieser Wert ist besonders interessant, weil GGT im Gegensatz zu AST deutlich weniger durch normales Muskeltraining beeinflusst wird.

GGT findet man unter anderem in Leber und Gallensystem.

Was ist normal?

Je nach Labor und Geschlecht findet man beispielsweise obere Referenzgrenzen im Bereich von ungefähr 40–60 U/l bei Männern und häufig niedriger bei Frauen.

Auch hier:

Laborbereich beachten.

Was kann eine erhöhte GGT bedeuten?

GGT kann beispielsweise erhöht sein bei:

Alkoholkonsum, bestimmten Medikamenten, Fettleber sowie Erkrankungen oder Abflussproblemen der Gallenwege.

Aber auch GGT ist nicht spezifisch genug, um anhand einer einzigen Zahl direkt eine Diagnose zu stellen.

Besonders hilfreich wird der Wert wieder im Zusammenhang mit anderen Parametern.

JETZT SETZEN WIR DIE DREI ZUSAMMEN

Und genau hier wird es interessant.

Beispiel 1

ALT erhöht AST erhöht GGT normal CK stark erhöht

→ bei jemandem, der kurz vorher hart trainiert hat, wird Muskelbelastung als Erklärung deutlich interessanter.

Beispiel 2

ALT erhöht AST erhöht GGT ebenfalls erhöht

→ hier sollte man eine mögliche Leber- beziehungsweise Gallenbelastung genauer abklären.

Beispiel 3

GGT deutlich erhöht ALT nur leicht erhöht

→ Alkohol, Medikamente, metabolische Faktoren oder Gallenwege können je nach Situation interessanter werden.

Wichtig:

Das sind Muster – keine Diagnosen.

Die tatsächliche Ursache ergibt sich erst aus Vorgeschichte, weiteren Blutwerten und gegebenenfalls zusätzlichen Untersuchungen.

WAS IST MIT DEM AST/ALT-VERHÄLTNIS?

Vielleicht habt ihr schon einmal vom sogenannten De-Ritis-Quotienten gehört.

Dabei wird AST durch ALT geteilt.

Dieses Verhältnis kann in bestimmten klinischen Situationen zusätzliche Hinweise liefern.

Aber:

Daraus sollte man keinen Internet-Selbsttest machen.

Ein bestimmtes Verhältnis beweist weder Alkoholschaden noch eine bestimmte Lebererkrankung.

Vor allem wenn AST durch Training erhöht ist, kann das Verhältnis schnell völlig anders aussehen.

WARUM IST DAS FÜR SPORTLER SO WICHTIG?

Weil Training Blutwerte massiv beeinflussen kann.

Nach sehr intensivem Krafttraining können Muskelmarker teilweise noch mehrere Tage verändert sein.

Das bedeutet:

Du machst Blutbild.

AST erhöht.

Google sagt:

„Leberschaden.“

Und plötzlich herrscht Panik.

Dabei hast du möglicherweise zwei Tage vorher brutal Beine trainiert.

Deshalb sollte man bei einer geplanten Verlaufskontrolle möglichst vergleichbare Bedingungen schaffen.

Wenn gezielt Leberwerte beurteilt werden sollen, kann es sinnvoll sein, vor der Blutabnahme einige Tage auf sehr intensives Krafttraining zu verzichten, sofern dein Arzt nichts anderes vorgibt.

WELCHE WERTE WÜRDE ICH ZUSÄTZLICH ANSCHAUEN?

Bei auffälligen Leberwerten finde ich besonders interessant:

CK – Hinweis auf Muskelbelastung.

Alkalische Phosphatase, kurz AP – interessant im Zusammenhang mit den Gallenwegen.

Bilirubin – gehört ebenfalls zur Beurteilung von Leber und Galle.

Je nach Situation kommen natürlich weitere Werte oder beispielsweise eine Ultraschalluntersuchung hinzu.

PHIL’S CHECK

Wenn ihr aus dieser Folge drei Dinge mitnehmt:

  1. ALT ist stärker mit der Leber verbunden als AST.

  2. AST kann durch hartes Training und Muskelschäden deutlich beeinflusst werden.

  3. GGT hilft dabei, ein auffälliges Bild besser einzuordnen, wird aber ebenfalls nicht alleine diagnostisch bewertet.

Der Satz:

„Meine Leberwerte sind erhöht“

ist also eigentlich viel zu ungenau.

Die bessere Frage ist:

Welcher Wert ist erhöht – und was machen die anderen gleichzeitig?

MEIN FAZIT

Leberwerte sind das perfekte Beispiel dafür, warum Labs with Phil überhaupt existiert.

Eine rote Zahl auf dem Laborzettel sagt noch lange nicht, was wirklich dahintersteckt.

ALT, AST und GGT müssen gemeinsam betrachtet werden.

Und gerade bei Menschen, die viel trainieren, wird zusätzlich die Frage wichtig:

Kommt der Wert wirklich aus der Leber – oder spielt die Muskulatur mit rein?

Deshalb gilt auch hier:

Nicht in Panik geraten.

Nicht einzelne Werte googeln und sofort Diagnosen stellen.

Sondern:

Muster verstehen.

Genau das ist das Ziel dieser Reihe

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