LABS WITH PHIL | #05 LDL, HDL & TRIGLYCERIDE – WIE GUT SIND DEINE BLUTFETTE WIRKLICH?
Willkommen zu Folge 5 von Labs with Phil.
Das Prinzip bleibt:
Drei Werte. Ein Zusammenhang. Dein Blutbild verstehen.
Heute geht es um drei Werte, die fast jeder schon einmal auf seinem Blutbild gesehen hat:
LDL, HDL und Triglyceride.
Und wahrscheinlich kennt ihr auch den Klassiker:
LDL = schlecht. HDL = gut.
Ganz falsch ist das nicht – aber für eine vernünftige Beurteilung ist es viel zu simpel.
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1. LDL-CHOLESTERIN
LDL steht für Low-Density Lipoprotein.
LDL-Partikel transportieren Cholesterin durch unseren Körper. Problematisch wird es, wenn über längere Zeit zu viele atherogene Partikel im Blut unterwegs sind.
Sie können an der Entstehung von Atherosklerose beteiligt sein – also den Veränderungen der Gefäßwände, die langfristig das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.
Welche Werte sind normal?
Hier gibt es einen wichtigen Unterschied zu vielen anderen Laborwerten:
Bei LDL gibt es nicht den einen perfekten Zielwert für jeden.
Als grobe Orientierung wird unter 116 mg/dl bei Menschen mit niedrigem kardiovaskulären Risiko häufig als Zielbereich verwendet.
Bei höherem Risiko werden allerdings deutlich niedrigere Werte angestrebt – beispielsweise unter 70 oder sogar unter 55 mg/dl.
Das persönliche Risiko entscheidet also mit.
Was bedeutet hohes LDL?
Ein dauerhaft erhöhtes LDL kann das Risiko für Atherosklerose erhöhen.
Beeinflusst wird LDL unter anderem durch:
Genetik, Ernährung, Körpergewicht, Schilddrüse, Medikamente und verschiedene Erkrankungen.
Sehr hohe Werte können außerdem auf eine genetische Fettstoffwechselstörung hinweisen.
Und niedriges LDL?
Beim LDL gilt nicht das klassische Prinzip:
„Zu niedrig ist genauso schlimm wie zu hoch.“
Für Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko werden medizinisch bewusst sehr niedrige LDL-Werte angestrebt.
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2. HDL-CHOLESTERIN
HDL steht für High-Density Lipoprotein.
HDL ist unter anderem am Rücktransport von Cholesterin beteiligt und wurde deshalb lange als:
„Das gute Cholesterin“
bezeichnet.
Typischerweise gelten ungefähr:
über 40 mg/dl bei Männern
und
über 50 mg/dl bei Frauen
als günstig.
Aber jetzt kommt der wichtige Punkt:
Ein hohes HDL macht ein hohes LDL nicht automatisch unschädlich.
Früher entstand teilweise die Vorstellung:
Je höher HDL, desto besser.
Heute wissen wir, dass es deutlich komplizierter ist. Sehr hohe HDL-Werte bedeuten nicht automatisch zusätzlichen Schutz.
Deshalb würde ich niemals sagen:
„Mein HDL ist super, also ist mein hohes LDL egal.“
So funktioniert das nicht.
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3. TRIGLYCERIDE
Triglyceride sind Fette, die unser Körper als Energiespeicher nutzt.
Sie werden stark durch Ernährung und Stoffwechsel beeinflusst.
Als klassische Orientierung gilt nüchtern häufig:
unter 150 mg/dl
als normal.
Erhöhte Triglyceride können beispielsweise mit Insulinresistenz, Übergewicht, hohem Alkoholkonsum, Diabetes, Ernährung oder bestimmten Medikamenten zusammenhängen.
Besonders hohe Werte sind noch aus einem anderen Grund wichtig:
Bei stark erhöhten Triglyceriden steigt das Risiko einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung.
Deshalb sollte man deutlich erhöhte Werte nicht einfach ignorieren.
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JETZT SETZEN WIR DIE DREI ZUSAMMEN
Genau hier beginnt wieder der interessante Teil.
Beispiel 1
LDL niedrig HDL ordentlich Triglyceride niedrig
→ zunächst ein günstiges klassisches Lipidprofil.
Beispiel 2
LDL hoch HDL hoch Triglyceride niedrig
→ das hohe HDL hebt das erhöhte LDL nicht einfach auf.
Beispiel 3
Triglyceride hoch HDL niedrig
→ dieses Muster sieht man häufiger im Zusammenhang mit metabolischen Problemen beziehungsweise Insulinresistenz.
Und genau deshalb gilt wieder:
Nicht nur eine Zahl anschauen – das Muster verstehen.
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WARUM SIND TRIGLYCERIDE FÜR DEN STOFFWECHSEL SO INTERESSANT?
Hier können wir direkt an Folge 2 anknüpfen.
Bei einer Insulinresistenz sieht man nicht zwangsläufig sofort einen extrem hohen Blutzucker.
Teilweise zeigen sich Veränderungen schon vorher an anderen Stellen.
Ein Muster aus:
höheren Triglyceriden + niedrigerem HDL + erhöhtem Insulin
kann beispielsweise zusätzlichen Grund liefern, den Stoffwechsel genauer anzuschauen.
Aber auch dieses Muster stellt alleine keine Diagnose dar.
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UND JETZT KOMMT DER HAKEN: LDL REICHT NICHT IMMER
LDL-C sagt uns, wie viel Cholesterin in LDL-Partikeln transportiert wird.
Es sagt aber nicht direkt, wie viele atherogene Partikel unterwegs sind.
Und genau deshalb wird ein weiterer Wert richtig spannend:
ApoB.
Jedes klassische LDL-Partikel trägt ein ApoB-Molekül.
ApoB kann deshalb einen besseren Eindruck von der Anzahl atherogener Lipoproteinpartikel geben.
Gerade wenn LDL, Triglyceride und Stoffwechselsituation nicht richtig zusammenpassen, kann ApoB zusätzliche Informationen liefern.
ApoB bekommt deshalb definitiv noch eine eigene Folge.
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UND WAS IST MIT Lp(a)?
Noch ein Wert, den viele nie bestimmen lassen:
Lipoprotein(a) – kurz Lp(a).
Lp(a) ist stark genetisch bestimmt und ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor.
Das Interessante:
Man kann ansonsten ein ziemlich ordentliches Blutbild besitzen und trotzdem ein deutlich erhöhtes Lp(a) haben.
Deshalb wird mittlerweile häufig empfohlen, Lp(a) zumindest einmal im Erwachsenenleben bestimmen zu lassen, um ein genetisch erhöhtes Risiko nicht zu übersehen.
Das Thema verdient ebenfalls eine eigene Folge.
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VOR DER BLUTABNAHME
Für ein Standard-Lipidprofil ist eine Nüchternmessung heute nicht immer zwingend erforderlich.
Aber:
Gerade Triglyceride reagieren relativ stark auf vorherige Mahlzeiten.
Wenn Werte miteinander verglichen oder Triglyceride genauer beurteilt werden sollen, können vergleichbare Bedingungen sinnvoll sein.
Außerdem sollte der Arzt wissen, welche Medikamente und Supplemente verwendet werden.
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PHIL’S CHECK
Wenn ihr aus dieser Folge drei Dinge mitnehmt:
-
LDL ist ein wichtiger Risikofaktor für Atherosklerose.
-
Ein hohes HDL neutralisiert ein hohes LDL nicht.
-
Triglyceride können uns zusätzlich viel über die metabolische Situation verraten.
Und wer sein kardiovaskuläres Risiko wirklich genauer verstehen möchte, sollte irgendwann zwei weitere Begriffe kennen:
ApoB und Lp(a).
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MEIN FAZIT
LDL, HDL und Triglyceride sind ein guter Einstieg in die Blutfette.
Aber eben nur ein Einstieg.
Das klassische:
„HDL gut – LDL böse“
ist mir deutlich zu einfach.
Interessanter ist:
Wie hoch ist LDL?
Wie sehen die Triglyceride aus?
Wie hoch ist das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko?
Und was sagen ApoB und Lp(a) zusätzlich?
Genau darum geht es bei Labs with Phil:
Nicht einfach Werte sammeln.
Verstehen, was sie gemeinsam über unseren Körper erzählen.