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Blutwerte & Gesundheit Sicherheit

LABS WITH PHIL | #12 ESTRADIOL, PROLAKTIN & TESTOSTERON – DIE DREI HORMONE, DIE MÄNNER GEMEINSAM BETRACHTEN SOLLTEN

von philleichtRang 5 — VeteranVeteranvor 1 Std.5 Aufrufe

Willkommen zu Folge 12 von Labs with Phil.

Heute wird es besonders interessant für Männer, die sich mit Hormonen, Muskelaufbau, Libido oder TRT beschäftigen.

Denn im Fitnessbereich hält sich ein Gedanke hartnäckig:

Viel Testosteron gut. Viel Östrogen schlecht.

So einfach funktioniert der männliche Hormonhaushalt aber nicht.

Unsere drei Werte heute:

Testosteron, Estradiol und Prolaktin.

Und vor allem schauen wir uns an, warum man keinen davon komplett isoliert betrachten sollte.

1. TESTOSTERON

Testosteron hatten wir bereits in Folge 1.

Es spielt unter anderem eine Rolle bei:

Libido, Sexualfunktion, Muskelmasse, Knochenstoffwechsel, Erythropoese und allgemeinem Wohlbefinden.

Bei Männern wird der größte Teil in den Hoden produziert.

Als grobe Orientierung findet man für Gesamt-Testosteron häufig ungefähr:

300–1.000 ng/dl

beziehungsweise etwa 10–35 nmol/l.

Der tatsächliche Referenzbereich hängt von Labor, Alter und Messmethode ab.

Und wie wir bereits gelernt haben:

Gesamt-Testosteron erzählt nicht die komplette Geschichte.

SHBG und freies Testosteron können für die Interpretation enorm wichtig sein.

Heute kommt aber ein weiterer Punkt dazu.

Ein Teil des Testosterons wird über das Enzym Aromatase in Estradiol umgewandelt.

Und genau deshalb kommen wir zu Wert Nummer zwei.

2. ESTRADIOL

Estradiol – kurz E2 – wird häufig einfach als:

„weibliches Hormon“

abgestempelt.

Das ist viel zu simpel.

Auch Männer benötigen Estradiol.

Es spielt unter anderem eine Rolle für:

Knochenstoffwechsel, Sexualfunktion und verschiedene Stoffwechselprozesse.

Ein Teil des männlichen Estradiols entsteht durch die Aromatisierung von Testosteron.

Das bedeutet:

Mehr Testosteron kann unter bestimmten Umständen auch mehr Estradiol bedeuten.

Das sieht man beispielsweise bei exogener Testosteronzufuhr.

WIE HOCH SOLLTE ESTRADIOL SEIN?

Hier wird es schwieriger.

Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Messverfahren deutlich.

Bei Männern findet man häufig ungefähr:

10–40 pg/ml

Aber gerade bei niedrigen Estradiolkonzentrationen ist die verwendete Labormethode relevant.

Sensitive beziehungsweise massenspektrometrische Verfahren können für Männer zuverlässiger sein als manche Standard-Immunoassays.

Deshalb würde ich nicht versuchen, E2 anhand irgendeiner Internet-Tabelle auf eine perfekte Zahl zu drücken.

IST HOHES ESTRADIOL SCHLECHT?

Nicht automatisch.

Erhöhtes Estradiol kann beispielsweise mit mehr Aromataseaktivität, höherem Körperfett, Leberproblemen oder exogener Hormonzufuhr zusammenhängen.

Beschwerden wie Brustempfindlichkeit oder Gynäkomastie können im passenden Kontext relevant sein.

Aber:

Ein Laborwert alleine ist keine Symptomliste.

Wasser ziehen, schlechte Libido oder Stimmungsschwankungen bedeuten nicht automatisch:

„Mein E2 ist zu hoch.“

Genau dafür messen wir.

UND ZU NIEDRIG?

Das wird im Fitnessbereich meiner Meinung nach mindestens genauso unterschätzt.

Estradiol einfach möglichst weit herunterzudrücken ist keine sinnvolle Zielsetzung.

Zu wenig Estradiol kann unter anderem Knochenstoffwechsel und Sexualfunktion negativ beeinflussen.

Gerade bei eigenständiger Verwendung von Aromatasehemmern kann aus:

„Ich möchte mein Östrogen kontrollieren“

ziemlich schnell:

„Ich habe mein Estradiol abgeschossen.“

werden.

Mehr Kontrolle bedeutet bei Hormonen nicht automatisch weniger.

3. PROLAKTIN

Prolaktin wird in der Hypophyse gebildet.

Bei Frauen kennt man es vor allem wegen seiner Rolle bei der Milchbildung.

Aber natürlich besitzen auch Männer Prolaktin.

Für uns wird der Wert besonders interessant, weil deutlich erhöhte Konzentrationen die männliche Hormonachse und Sexualfunktion beeinflussen können.

Eine ausgeprägte Hyperprolaktinämie kann die GnRH-Signale im Gehirn hemmen.

Dadurch können LH und FSH sinken – und anschließend auch die körpereigene Testosteronproduktion.

Mögliche Beschwerden können beispielsweise sein:

Libidoverlust, erektile Dysfunktion oder Hypogonadismus.

WIE HOCH SOLLTE PROLAKTIN SEIN?

Auch hier unterscheiden sich Labore.

Bei Männern liegt die obere Grenze häufig ungefähr bei:

15–20 ng/ml

Entscheidend ist der Referenzbereich auf dem eigenen Befund.

Und jetzt kommt etwas Wichtiges:

Prolaktin kann ziemlich empfindlich reagieren.

Stress, Schlaf, körperliche Belastung und selbst die Blutabnahme können den Wert beeinflussen.

Ein einmal leicht erhöhter Wert bedeutet deshalb nicht automatisch:

„Ich habe ein Prolaktinproblem.“

Bei unerwarteten milden Erhöhungen kann eine Wiederholungsmessung unter geeigneten Bedingungen sinnvoll sein.

WAS KANN PROLAKTIN ERHÖHEN?

Neben physiologischen Einflüssen können beispielsweise bestimmte Medikamente, eine Schilddrüsenunterfunktion, Nierenprobleme oder Erkrankungen der Hypophyse dahinterstecken.

Bei deutlich beziehungsweise wiederholt erhöhten Werten gehört deshalb die Ursache geklärt.

Ein weiterer interessanter Begriff ist:

Makroprolaktin.

Dabei handelt es sich um größere Prolaktinkomplexe, die in manchen Labortests zu erhöhten Messwerten beitragen können, biologisch aber weniger aktiv sind.

Das kann bei bestimmten unklaren Fällen relevant werden.

JETZT SETZEN WIR DIE DREI ZUSAMMEN

Beispiel 1

Testosteron normal Estradiol normal Prolaktin normal

→ hormonell zunächst unauffälliges Muster.

Beispiel 2

Testosteron niedrig Prolaktin deutlich erhöht

→ jetzt wird interessant, ob Prolaktin die Hormonachse beeinflusst. LH und FSH wären wichtige nächste Werte.

Beispiel 3

Testosteron hoch Estradiol erhöht

→ eine verstärkte Aromatisierung kann eine mögliche Erklärung sein, besonders bei exogener Testosteronzufuhr.

Beispiel 4

Testosteron hoch Estradiol sehr niedrig

→ jetzt würde ich fragen, ob beispielsweise ein Aromatasehemmer verwendet wird.

Und genau hier sieht man wieder:

Ein einzelner Hormonwert erzählt selten die ganze Geschichte.

LIBIDO SCHLECHT = ESTRADIOL ODER PROLAKTIN?

Genau diese Ferndiagnosen sieht man ständig:

„Keine Libido? E2 zu hoch.“

Oder:

„Erektionsprobleme? Bestimmt Prolaktin.“

So funktioniert es nicht.

Sexualfunktion wird von enorm vielen Faktoren beeinflusst:

Hormone, Psyche, Schlaf, Medikamente, Gefäßgesundheit, Stress und vieles mehr.

Symptome geben uns Hinweise – Blutwerte helfen bei der Einordnung.

Nicht andersherum.

WAS WÜRDE ICH NOCH ANSCHAUEN?

Wenn dieses Hormondreieck auffällig ist, werden je nach Situation weitere Werte interessant:

SHBG und freies Testosteron für die Testosteroninterpretation.

LH und FSH für die Frage, was Hypophyse und Hoden machen.

TSH und fT4, insbesondere bei erhöhtem Prolaktin.

Damit können wir langsam wirklich verstehen, wo innerhalb der Hormonachse etwas auffällig ist.

VOR DER BLUTABNAHME

Hormone sind keine komplett statischen Werte.

Testosteron besitzt einen Tagesrhythmus und wird bei der diagnostischen Abklärung typischerweise morgens bestimmt.

Bei Prolaktin können Stress und körperliche Belastung die Interpretation erschweren.

Deshalb finde ich bei Verlaufskontrollen besonders wichtig:

Möglichst vergleichbare Bedingungen.

Gleiche Tageszeit.

Ähnliche Trainingssituation.

Und Medikamente sowie Hormone bei der Interpretation offen berücksichtigen.

PHIL’S CHECK

Drei Dinge aus dieser Folge:

  1. Männer brauchen Estradiol – möglichst niedrig ist nicht automatisch besser.

  2. Erhöhtes Prolaktin kann die männliche Hormonachse beeinflussen, aber ein einzelner leicht erhöhter Wert beweist noch keine Erkrankung.

  3. Testosteron, Estradiol und Prolaktin ergeben gemeinsam deutlich mehr Sinn als drei isolierte Zahlen.

Mein wichtigster Satz heute:

Hormone sind ein Gleichgewicht – kein Wettbewerb um den höchsten oder niedrigsten Wert.

MEIN FAZIT

Gerade im Fitness- und TRT-Bereich wird meiner Meinung nach viel zu schnell versucht, einzelne Laborwerte zu „korrigieren“.

E2 hoch?

Runter damit.

Prolaktin hoch?

Runter damit.

Testosteron niedrig?

Hoch damit.

Aber genau damit überspringt man die eigentlich interessante Frage:

Warum sieht der Wert so aus?

Testosteron beeinflusst Estradiol.

Prolaktin kann die Hormonachse beeinflussen.

SHBG verändert die Interpretation von Testosteron.

LH und FSH verraten uns mehr über die Steuerung.

Das ist der Unterschied zwischen:

Zahlen verändern.

und

Blutbilder verstehen.

Und genau dafür gibt es Labs with Phil.

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