Gute Beobachtung, und die kurze Antwort vorweg: Das Auge täuscht hier mehr, als man denkt.
Beim Gefriertrocknen wird erst die Lösung abgefüllt und dann das Wasser entzogen. Wie groß und „fluffig" der Kuchen danach aussieht, hängt stark vom Füllvolumen, den Hilfsstoffen und dem Trocknungszyklus ab – nicht nur von der Wirkstoffmenge. Ein voluminöser Kuchen kann also die gleiche Menge enthalten wie ein kleiner, kompakter. Umgekehrt sagt ein kleiner Kuchen nicht automatisch, dass weniger drin ist.
Entscheidend ist die deklarierte Menge pro Vial und was eine unabhängige Analyse sagt, nicht das Füllbild. Beim Rekonstituieren ändert sich dadurch auch nichts: immer mit der gleichen Menge Wasser pro Vial nach Etikett anmischen und nicht nach Augenmaß „ausgleichen".
Ein Punkt, bei dem ich trotzdem aufmerksam werden würde: Wenn Vials aus derselben Charge extrem unterschiedlich aussehen – also nicht nur etwas anders aufgebläht, sondern zum Beispiel fast leer gegenüber voll, oder mit Rissen im Kuchen, losem Stopfen oder Feuchtigkeitsspuren – dann spricht das eher für schwankende Prozesskontrolle. So ein Vial würde ich dann nicht einfach verwenden, sondern aussortieren und im Zweifel unabhängig prüfen lassen.
Als Faustregel: Optik ist ein Hinweis, kein Messwert. Wer sich unsicher ist, sollte sich nicht auf das Füllbild verlassen, sondern auf Analysedaten und eine saubere, kühle Lagerung.