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Blutwerte & Gesundheit Sicherheit

LABS WITH PHIL | #10 ApoB, Lp(a) & NON-HDL – DIE HERZWERTE, DIE VIELE GAR NICHT AUF DEM SCHIRM HABEN

von philleichtRang 5 — VeteranVeteranvor 1 Std.3 Aufrufe

illkommen zu Folge 10 von Labs with Phil.

In Folge 5 hatten wir LDL, HDL und Triglyceride.

Heute gehen wir eine Ebene tiefer.

Denn wenn mich mein langfristiges Risiko für Atherosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall interessiert, gibt es drei weitere Werte, die ich verdammt spannend finde:

ApoB, Lipoprotein(a) und Non-HDL-Cholesterin.

Das Interessante daran:

Ein normales LDL bedeutet nicht automatisch, dass das komplette kardiovaskuläre Bild perfekt aussieht.

1. ApoB

ApoB steht für Apolipoprotein B.

Um zu verstehen, warum dieser Wert interessant ist, müssen wir kurz über LDL sprechen.

LDL-C sagt uns vereinfacht:

Wie viel Cholesterin befindet sich in den LDL-Partikeln?

ApoB nähert sich dagegen einer anderen Frage:

Wie viele atherogene Lipoproteinpartikel sind unterwegs?

Zu diesen ApoB-haltigen Partikeln gehören unter anderem LDL, VLDL, IDL und Lp(a).

Jedes dieser atherogenen Partikel trägt grundsätzlich ein ApoB-Molekül.

Dadurch wird ApoB zu einem ziemlich guten Marker für die Anzahl der Partikel, die grundsätzlich in die Gefäßwand gelangen können.

WARUM KANN ApoB MEHR VERRATEN ALS LDL?

Stell dir zwei Menschen mit demselben LDL-Cholesterin vor.

Person A besitzt relativ wenige Partikel, die jeweils mehr Cholesterin transportieren.

Person B besitzt deutlich mehr Partikel, die jeweils weniger Cholesterin transportieren.

LDL-C kann trotzdem ähnlich aussehen.

ApoB kann diesen Unterschied sichtbar machen.

Gerade bei hohen Triglyceriden, Diabetes, Insulinresistenz oder metabolischem Syndrom kann diese sogenannte Diskordanz interessant werden.

Welche Werte sind gut?

Hier sollte man zwischen Laborreferenz und medizinischem Zielwert unterscheiden.

Ein häufig verwendeter ApoB-Wert liegt ungefähr bei:

unter 90 mg/dl

Bei Menschen mit höherem kardiovaskulärem Risiko werden allerdings niedrigere Ziele verwendet, beispielsweise unter 80 oder unter 65 mg/dl.

Deshalb gilt:

ApoB besitzt keinen perfekten Zielwert für jeden Menschen.

Das individuelle Risiko entscheidet mit.

2. LIPOPROTEIN(a)

Jetzt kommen wir zu einem meiner Lieblingswerte aus dem Longevity-Bereich:

Lp(a).

Lipoprotein(a) ähnelt strukturell einem LDL-Partikel, besitzt aber zusätzlich Apolipoprotein(a).

Ein erhöhter Lp(a)-Wert ist mit einem erhöhten Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Aortenklappenstenose verbunden.

Und das Besondere:

Lp(a) wird größtenteils genetisch bestimmt.

Du kannst dich hervorragend ernähren.

Du kannst schlank sein.

Du kannst fünfmal die Woche Sport machen.

Und dein Lp(a) kann trotzdem deutlich erhöht sein.

Genau deshalb finde ich diesen Wert so interessant.

WIE HOCH SOLLTE Lp(a) SEIN?

Hier müsst ihr unbedingt auf die Einheit achten.

Lp(a) wird beispielsweise angegeben als:

mg/dl

oder

nmol/l.

Diese Werte kann man aufgrund unterschiedlicher Partikelgrößen nicht einfach mit einem festen Faktor perfekt ineinander umrechnen.

Als grobe klinische Orientierung gelten häufig:

unter 30 mg/dl eher niedrig

30–50 mg/dl Zwischenbereich

ab 50 mg/dl beziehungsweise etwa 125 nmol/l deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko

Die genaue Bewertung hängt wieder vom Gesamtrisiko ab.

MUSS ICH Lp(a) STÄNDIG MESSEN?

Normalerweise nicht.

Weil Lp(a) überwiegend genetisch bestimmt und über das Leben relativ stabil ist, empfehlen aktuelle Leitlinien beziehungsweise Konsensuspapiere, es bei Erwachsenen mindestens einmal im Leben zu bestimmen.

Wenn es deutlich erhöht ist, wird das Gesamtbild wichtiger.

Dann schaut man beispielsweise besonders genau auf:

LDL, ApoB, Blutdruck, Rauchen, Diabetes und andere Risikofaktoren.

Die Idee lautet nicht:

„Ich kann meine Gene sowieso nicht ändern.“

Sondern:

Wenn ein nicht veränderbarer Risikofaktor hoch ist, werden die veränderbaren Faktoren umso interessanter.

3. NON-HDL-CHOLESTERIN

Der dritte Wert ist genial einfach.

Non-HDL wird berechnet aus:

Gesamtcholesterin – HDL = Non-HDL

Damit erfasst man vereinfacht das Cholesterin, das in den atherogenen Lipoproteinen transportiert wird.

Dazu gehören nicht nur LDL-Partikel, sondern beispielsweise auch VLDL, IDL und Lp(a).

Der große Vorteil:

Man braucht dafür nicht einmal einen zusätzlichen Spezialtest.

Gesamtcholesterin und HDL reichen aus.

WELCHER NON-HDL-WERT IST NORMAL?

Auch hier hängt der Zielwert vom persönlichen Risiko ab.

Als grobe Orientierung kann bei niedrigem Risiko ein Wert von:

unter etwa 130 mg/dl

günstig sein.

Bei Menschen mit erhöhtem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko werden entsprechend niedrigere Zielwerte verwendet.

Non-HDL ist besonders interessant, wenn die Triglyceride erhöht sind.

JETZT SETZEN WIR ALLES ZUSAMMEN

Beispiel 1

LDL ordentlich ApoB niedrig Non-HDL niedrig Lp(a) niedrig

→ zunächst ein günstiges atherogenes Profil.

Beispiel 2

LDL scheinbar okay ApoB erhöht

→ möglicherweise sind mehr atherogene Partikel unterwegs, als LDL-C alleine vermuten lässt.

Beispiel 3

LDL gut ApoB gut Lp(a) stark erhöht

→ trotz ansonsten schönem Lipidprofil besteht ein zusätzlicher genetischer Risikofaktor.

Genau deshalb ist Lp(a) so spannend.

WAS IST JETZT WICHTIGER – LDL ODER ApoB?

Ich würde daraus keinen Wettbewerb machen.

LDL-C besitzt eine riesige Datenbasis und bleibt ein extrem wichtiger Wert.

ApoB liefert aber zusätzliche Informationen über die atherogene Partikelzahl.

Wenn beide Werte dieselbe Richtung zeigen, ist die Interpretation relativ einfach.

Besonders interessant wird ApoB, wenn LDL und ApoB nicht zusammenpassen.

Dann kann ApoB zusätzliche Risikoinformation liefern.

UND WAS IST MIT HDL?

Auch das hatten wir bereits.

Ein hohes HDL sieht grundsätzlich häufig günstig aus.

Aber:

Hohes HDL neutralisiert erhöhtes ApoB oder Lp(a) nicht.

Genau deshalb gefällt mir die Bezeichnung:

„gutes Cholesterin gegen schlechtes Cholesterin“

immer weniger.

Unser Lipidstoffwechsel ist wesentlich komplexer.

PHIL’S CHECK

Wenn ihr aus dieser Folge drei Dinge mitnehmt:

  1. LDL-C zeigt Cholesterinmenge – ApoB gibt uns Informationen über die Anzahl atherogener Partikel.

  2. Lp(a) ist größtenteils genetisch bestimmt und sollte meiner Meinung nach bei einer vernünftigen kardiovaskulären Bestandsaufnahme nicht fehlen.

  3. Non-HDL ist ein einfacher, aber sehr nützlicher Wert, den man aus einem normalen Lipidprofil berechnen kann.

Und besonders wichtig:

Ein schönes HDL ist kein Freifahrtschein.

MEIN FAZIT

Wenn mich jemand fragt:

„Welche zusätzlichen Werte würdest du für einen besseren Blick auf das Herz-Kreislauf-Risiko interessant finden?“

stehen ApoB und Lp(a) bei mir ziemlich weit oben.

Nicht weil LDL plötzlich unwichtig wäre.

Sondern weil wir damit mehr vom Gesamtbild sehen.

LDL zeigt uns einen Teil.

ApoB zeigt uns die atherogene Partikelbelastung.

Non-HDL erweitert den Blick auf das Cholesterin in atherogenen Lipoproteinen.

Und Lp(a) kann einen genetischen Risikofaktor sichtbar machen, den man anhand von Fitness und Aussehen überhaupt nicht erkennen würde.

Genau darum geht es bei Labs with Phil:

Nicht möglichst viele Werte messen.

Sondern die richtigen Werte verstehen.

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