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Blutwerte & Gesundheit Sicherheit

LABS WITH PHIL | #13 LH, FSH & TESTOSTERON – PRODUZIEREN DEINE HODEN ZU WENIG ODER KOMMT DAS SIGNAL NICHT AN?

von philleichtRang 5 — VeteranVeteranvor 2 Std.7 Aufrufe(bearbeitet)

Willkommen zu Folge 13 von Labs with Phil.

Heute gehen wir beim Thema Testosteron eine Ebene tiefer.

Denn wenn Testosteron niedrig ist, lautet die entscheidende Frage nicht nur:

„Wie bekomme ich mein Testosteron höher?“

Viel interessanter ist:

Warum ist es überhaupt niedrig?

Liegt die Ursache direkt im Hoden? Oder funktioniert die übergeordnete hormonelle Steuerung nicht so, wie sie sollte?

Genau dabei helfen uns:

LH, FSH und Testosteron.

1. LH

LH steht für Luteinisierendes Hormon.

Es wird in der Hypophyse ausgeschüttet und gehört zur sogenannten Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse.

Vereinfacht läuft diese Achse so:

Der Hypothalamus setzt GnRH frei.

GnRH stimuliert die Hypophyse.

Die Hypophyse schüttet daraufhin unter anderem LH aus.

LH stimuliert anschließend die Leydig-Zellen im Hoden, Testosteron zu produzieren.

LH ist damit ein wichtiger Steuerfaktor unserer körpereigenen Testosteronproduktion.

WIE HOCH SOLLTE LH SEIN?

Typische Referenzbereiche für erwachsene Männer liegen je nach Labor beispielsweise ungefähr bei:

1,5–9 IU/l

Aber wie immer bei Labs with Phil:

Die Referenz des eigenen Labors zählt.

Noch wichtiger ist allerdings:

Wie passt LH zum Testosteron?

Denn genau diese Kombination kann Hinweise darauf geben, auf welcher Ebene der Hormonachse eine Auffälligkeit liegen könnte.

LH HOCH + TESTOSTERON NIEDRIG

Stell dir vor, die Hypophyse schüttet zunehmend LH aus.

Der Hoden wird also bereits stärker stimuliert.

Trotzdem bleibt Testosteron niedrig.

Das kann zu einer primären Störung der Hodenfunktion passen.

Der medizinische Begriff dafür lautet:

Primärer Hypogonadismus.

Die übergeordnete Steuerung versucht gegenzuregulieren, aber die Testosteronproduktion steigt nicht entsprechend an.

LH NIEDRIG + TESTOSTERON NIEDRIG

Jetzt haben wir die umgekehrte Situation.

Testosteron ist niedrig.

LH steigt jedoch nicht entsprechend an.

Dann kann die Ursache eher auf Ebene von Hypothalamus oder Hypophyse liegen.

Das wird als:

Sekundärer beziehungsweise hypogonadotroper Hypogonadismus

bezeichnet.

Allerdings können auch andere Faktoren die Hormonachse beeinflussen.

Dazu gehören beispielsweise bestimmte Medikamente, schwere Erkrankungen oder exogen zugeführte Androgene.

2. FSH

FSH steht für:

Follikelstimulierendes Hormon.

Auch FSH wird von der Hypophyse ausgeschüttet.

Bei Männern wirkt es hauptsächlich an den Sertoli-Zellen im Hoden und spielt eine wichtige Rolle bei der:

Spermienproduktion und Fruchtbarkeit.

Typische Referenzbereiche liegen bei erwachsenen Männern grob ungefähr bei:

1,5–12 IU/l

Die tatsächlichen Grenzen hängen wieder vom jeweiligen Labor ab.

WARUM IST FSH SO INTERESSANT?

Weil ein guter Testosteronwert nicht automatisch bedeutet:

Die Fruchtbarkeit ist ebenfalls optimal.

Testosteronproduktion und Spermienproduktion hängen zwar zusammen, sind aber nicht dasselbe.

Deshalb wird FSH besonders interessant, wenn Kinderwunsch oder Fertilität eine Rolle spielen.

Trotzdem gilt:

Normales FSH beweist keine normale Fruchtbarkeit.

Wenn es wirklich um die Beurteilung der Spermien geht, liefert ein Spermiogramm wesentlich direktere Informationen.

WAS BEDEUTET HOHES FSH?

Ist FSH deutlich erhöht, kann das darauf hindeuten, dass die Hypophyse versucht, die Hoden stärker zu stimulieren.

Bei einer eingeschränkten Hodenfunktion beziehungsweise gestörten Spermatogenese kann FSH deshalb ansteigen.

Niedrige Werte können dagegen beispielsweise bei einer verminderten Aktivität der übergeordneten Hormonachse auftreten.

Auch hier ist der einzelne Wert noch keine Diagnose.

3. TESTOSTERON

Unseren dritten Wert kennen wir inzwischen ziemlich gut.

Für Gesamt-Testosteron findet man bei erwachsenen Männern je nach Labor häufig ungefähr:

300–1.000 ng/dl

beziehungsweise etwa:

10–35 nmol/l

Ein einzelner niedriger Wert reicht jedoch normalerweise nicht aus, um einen Testosteronmangel festzustellen.

Testosteron unterliegt unter anderem einem Tagesrhythmus.

Auch Schlaf, Erkrankungen, starkes Kaloriendefizit und andere Faktoren können den Wert beeinflussen.

Bei einer medizinischen Abklärung werden niedrige Werte deshalb üblicherweise durch weitere Messungen bestätigt und gemeinsam mit vorhandenen Beschwerden beurteilt.

JETZT VERBINDEN WIR DIE DREI WERTE

TESTOSTERON NIEDRIG + LH HOCH

Die übergeordnete Steuerung arbeitet stärker, aber der Hoden reagiert nicht ausreichend.

→ Primärer Hypogonadismus wird als mögliche Ursache interessanter.

TESTOSTERON NIEDRIG + LH NIEDRIG ODER UNANGEMESSEN NORMAL

Die Testosteronproduktion ist niedrig, ohne dass LH entsprechend ansteigt.

→ Eine Ursache auf Ebene von Hypothalamus oder Hypophyse wird interessanter.

TESTOSTERON HOCH + LH UND FSH STARK REDUZIERT

Bei exogener Zufuhr von Testosteron beziehungsweise anderen Androgenen kann dieses Muster durch die negative Rückkopplung der Hormonachse entstehen.

Der Körper reduziert dadurch seine eigene LH- und FSH-Ausschüttung.

WARUM IST „NORMALES LH“ NICHT IMMER NORMAL?

Das ist ein richtig spannender Punkt.

Stell dir vor:

Testosteron ist deutlich niedrig.

LH liegt aber gerade noch innerhalb des Referenzbereichs.

Auf dem Laborbefund sieht zunächst alles unauffällig aus.

Physiologisch wäre bei niedrigem Testosteron jedoch eigentlich eine stärkere Gegenregulation zu erwarten.

Ein formal normales LH kann deshalb im entsprechenden Zusammenhang:

unangemessen normal

sein.

Genau deshalb reicht es nicht, nur zu schauen:

Innerhalb oder außerhalb des Referenzbereichs?

Wir müssen verstehen, wie die Werte zueinander passen.

WAS HAT PROLAKTIN DAMIT ZU TUN?

Hier knüpfen wir direkt an Folge 12 an.

Deutlich erhöhtes Prolaktin kann die GnRH-Ausschüttung hemmen.

Dadurch können LH und FSH sinken.

In der Folge kann auch die körpereigene Testosteronproduktion beeinträchtigt werden.

Deshalb gehört Prolaktin bei bestimmten Konstellationen mit ins Gesamtbild.

Auch Schilddrüsenfunktion, Medikamente und Erkrankungen der Hypophyse können je nach Situation relevant werden.

UND WAS IST MIT TRT?

Hier entsteht häufig ein Missverständnis.

Jemand verwendet medizinisch verordnetes Testosteron und sieht anschließend im Blutbild:

LH sehr niedrig. FSH sehr niedrig.

Unter exogener Testosteronzufuhr ist eine deutliche Reduktion dieser beiden Hormone grundsätzlich durch die negative Rückkopplung erklärbar.

Das ist gleichzeitig einer der Gründe, warum exogenes Testosteron die körpereigene Spermienproduktion und damit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.

TRT verändert also nicht einfach nur einen einzelnen Testosteronwert.

Sie beeinflusst eine komplette hormonelle Regelachse.

WAS WÜRDE ICH NOCH ANSCHAUEN?

Wenn Testosteron auffällig ist, können je nach Situation weitere Werte interessant werden:

SHBG und freies Testosteron

Prolaktin

Estradiol

sowie gegebenenfalls weitere Werte der Hypophysen- und Schilddrüsenfunktion.

Bei Kinderwunsch kommt zusätzlich das:

Spermiogramm

ins Spiel.

Denn FSH liefert Hinweise auf die hormonelle Steuerung der Spermatogenese – es misst aber nicht direkt die Qualität oder Anzahl der Spermien.

VOR DER BLUTABNAHME

Für eine vernünftige Interpretation sollten die Bedingungen möglichst vergleichbar sein.

Gerade Testosteron wird bei der diagnostischen Abklärung typischerweise morgens bestimmt.

Schlaf, akute Erkrankungen, Medikamente und andere hormonelle Einflüsse sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

Bei Verlaufskontrollen finde ich deshalb besonders wichtig:

Nicht nur die Zahl vergleichen, sondern auch die Bedingungen der Messung.

PHIL’S CHECK

Drei Dinge aus dieser Folge:

  1. LH hilft uns dabei zu verstehen, wie stark die körpereigene Testosteronproduktion stimuliert wird.

  2. FSH spielt eine wichtige Rolle bei Spermatogenese und Fruchtbarkeit.

  3. Niedriges Testosteron bekommt zusammen mit LH und FSH eine völlig neue Bedeutung.

Der wichtigste Satz heute:

Nicht nur fragen, ob Testosteron niedrig ist – sondern warum.

MEIN FAZIT

Genau solche Zusammenhänge machen Blutbilder für mich spannend.

Man sieht zunächst:

Testosteron niedrig.

Aber mit zwei zusätzlichen Werten entsteht plötzlich ein viel genaueres Bild.

LH erhöht?

Dann versucht die übergeordnete Steuerung möglicherweise bereits gegenzuregulieren.

LH niedrig oder unangemessen normal?

Dann könnte die Ursache weiter oben in der Hormonachse liegen.

FSH auffällig?

Dann wird zusätzlich die reproduktive Funktion interessant.

Und plötzlich behandeln wir nicht mehr einfach irgendeine Zahl.

Wir versuchen zu verstehen, an welcher Stelle der hormonellen Regelachse die Veränderung entsteht.

Genau das ist für mich Labs with Phil.

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