Studienlage bei Frauen
Dieselben 31 Substanzen wie im Lexikon, sortiert nach einer einzigen Frage: Wer wurde eigentlich untersucht?
Die Antwort ist ernüchternd, und genau deshalb steht sie hier: Bei 5 von 31 wurde ausdrücklich an Frauen geprüft, bei 7 gibt es überhaupt keine Daten am Menschen. Dazwischen liegt eine Gruppe, bei der Studien existieren — nur hat niemand aufgeschrieben, wer daran teilgenommen hat.
„An Frauen untersucht“ heisst nicht „für Frauen geeignet“. Diese Seite ordnet die Datenlage, sie empfiehlt nichts und rät von nichts ab. Sie sagt nur, worauf eine Aussage überhaupt beruht — und bei den meisten Substanzen hier beruht sie auf sehr wenig.
- Reine Bildung & Information — keine medizinische, pharmazeutische oder rechtliche Beratung.
- Keine Anwendungs-, Dosier- oder Beschaffungsanleitung. Studienangaben beschreiben, was untersucht wurde.
- Anwendung oder Nachmachen = ausschließlich eigenes Risiko. Keine Haftung für darauf gestützte Entscheidungen.
- Die meisten Peptide sind in Deutschland/der EU nicht als Arzneimittel zugelassen. Nur für Erwachsene (18+).
Vollständig im Disclaimer und Regelwerk.
Ausdrücklich an Frauen untersucht
5 von 31Es gibt Studien, deren Teilnehmerinnen Frauen waren — die Aussagen gelten also für sie und nicht nur sinngemäss.
- EpitalonGehyped — dünne Datenlage
Die einzige Humanstudie mit synthetischem Epitalon, die die FDA 2026 fand, lief ausschließlich an Frauen (Nachtschicht-Arbeiterinnen, 40–50 Jahre, 20 Epitalon / 20 Placebo) — gemessen wurde aber nur ein Melatonin-Marker, keine Sicherheit. Eine belastbare Grundlage für Frauen ist das nicht.
Beleg: FDA, PCAC-Folien 24.07.2026 — Epitalon: Clinical Effectiveness/Safety (Ivko et al. 2021)
- HGH / SomatropinZugelassene Medikamente
Mit dem Turner-Syndrom gibt es eine zugelassene Indikation, die ausschließlich Mädchen betrifft. Die Fachinformation nennt zudem eine frauenrelevante Wechselwirkung: Unter oralem Östrogen (z. B. Pille, Hormonersatz) kann die GH-Wirkung abgeschwächt sein.
- KisspeptinIn klinischer Erprobung
Ein großer Teil der Humanforschung lief ausdrücklich an Frauen: 53 und 60 und 62 Frauen in den IVF-Studien, 32 Frauen in der Libido-Studie, dazu Studien bei hypothalamischer Amenorrhö und bei gesunden Frauen über den Zyklus. Das ist ungewöhnlich gut — aber immer unter ärztlicher Kontrolle und mit Kisspeptin-54, nicht mit Graumarkt-Kisspeptin-10.
Beleg: Abbara A et al. 2015, PMID 26192876; Mills EG et al. 2022, PMID 36287566
- PT-141Zugelassene Medikamente
Die einzige Substanz im Lexikon, die ausschliesslich an Frauen geprüft wurde: In der Zulassungsstudie Study 301 waren 643 Teilnehmerinnen und null Männer, alle prämenopausal. ⚠️ Für postmenopausale Frauen ist genau das der Grund, warum es dort keine belastbare Aussage gibt.
Beleg: ClinicalTrials.gov NCT02333071 — Baseline: 643 weiblich / 0 männlich
Frauen waren in den Hauptstudien dabei
10 von 31Keine eigene Frauenstudie, aber Frauen stellten einen nennenswerten Teil der Teilnehmenden — teils die Mehrheit.
- CagrilintideIn klinischer Erprobung
In der Phase-2-Studie waren 436 von 706 Teilnehmenden Frauen (62 %). ⚠️ Für die Phase-3-Studien REDEFINE 1 und 2 stehen im Register bislang keine Ergebnisse — die Geschlechterverteilung dort ist offen.
Beleg: ClinicalTrials.gov NCT03856047 — Baseline: 436 weiblich / 270 männlich
- IGF-1 (Mecasermin) / LR3-IGF-1Zugelassene Medikamente
Im europäischen Mecasermin-Register waren 111 von 304 behandelten Kindern Mädchen (36,5 %), 193 Jungen. Daten zu erwachsenen Frauen gibt es nicht — und zu LR3-IGF-1 gar keine Humandaten.
Beleg: Bang P et al., J Clin Endocrinol Metab 2023;109(1):46–56 — Eu-IGFD-Register (PMC10735455)
- LL-37Forschung / Pipeline
In der größten Studie (Phase 2b, Beingeschwüre) waren 80 von 144 ausgewerteten Teilnehmenden Frauen (56 %), in der Studie zum diabetischen Fuß 12 von 25. Das gilt aber nur für das Auftragen auf Wunden — zu Injektionen gibt es weder für Frauen noch für Männer Daten.
- MK-677 / IbutamorenIn klinischer Erprobung
In der 2-Jahres-Studie an gesunden Älteren waren 42 von 65 Teilnehmenden Frauen (25 davon unter Hormonersatz). Getrennte Ergebnisse speziell für Frauen werden dort nicht als eigene Fragestellung berichtet.
Beleg: Nass R et al., Ann Intern Med 2008;149(9) (PMC2757071)
- RetatrutideIn klinischer Erprobung
Die Phase-2-Studie war fast hälftig besetzt: 163 von 338 Teilnehmenden waren Frauen (48 %). ⚠️ Das ist Phase 2. Die Phase-3-Studie TRIUMPH-1 ist inzwischen publiziert, im Register (NCT05929066) aber noch ohne hinterlegte Ergebnisse — ihre Geschlechterverteilung ist dort offen.
Beleg: ClinicalTrials.gov NCT04881760 — Baseline: 163 weiblich / 175 männlich
- SemaglutidZugelassene Medikamente
Frauen stellten in der Gewichts-Zulassungsstudie STEP 1 die deutliche Mehrheit: 1453 von 1961 Teilnehmenden (74 %). Wirksamkeit und Nebenwirkungen sind damit an Frauen gut belegt.
Beleg: ClinicalTrials.gov NCT03548935 (STEP 1) — Baseline: 1453 weiblich / 508 männlich
- SemaxGehyped — dünne Datenlage
Frauen waren in den Patientenstudien dabei, teils in der Mehrheit — in der Schlaganfall-Studie von 2018 waren es 67 von 110, in der Bildgebungsstudie 13 von 24. Eigene Auswertungen nach Geschlecht gibt es nicht. Die russische Fachinformation führt Schwangerschaft und Stillzeit als Gegenanzeige.
- SS-31 / ElamipretidIn klinischer Erprobung
Die Zulassungsstudie (TAZPOWER) bestand aus 12 Männern — Barth-Syndrom betrifft fast nur Jungen/Männer. In der größten RCT (MMPOWER-3, Mitochondrien-Myopathie) waren dagegen 140 von 218 (64 %) Frauen — dort wirkte Elamipretid aber nicht besser als Placebo.
- Thymosin Alpha-1In klinischer Erprobung
In der größten Studie (TESTS, Sepsis) waren 339 von 1089 ausgewerteten Teilnehmenden Frauen (31 %). Frauen sind also mitgelaufen, aber in der Minderheit; eine eigene Auswertung nach Geschlecht als Hauptfrage gibt es nicht. Ausländische Fachinformationen nennen Schwangerschaft und Stillzeit als Warnhinweis bzw. Gegenanzeige.
Belege stehen im Profil.
- TirzepatidZugelassene Medikamente
In SURMOUNT-1 waren 1714 von 2539 Teilnehmenden Frauen (68 %) — die Datenbasis für Frauen ist hier so breit wie bei kaum einer anderen Substanz im Lexikon.
Beleg: ClinicalTrials.gov NCT04184622 (SURMOUNT-1) — Baseline: 1714 weiblich / 825 männlich
Die Humandaten stammen von Männern
3 von 31Es gibt Studien am Menschen, aber sie wurden ganz oder überwiegend an Männern durchgeführt. Übertragen wird hier gehofft, nicht gemessen.
- NAD+Forschung / Pipeline
Der Pharmakokinetik-Pilot zur Infusion hatte elf Teilnehmer — allesamt Männer („Eleven male participants aged 30–55 years“). Für Frauen existiert zur intravenösen Gabe keine eigene Datengrundlage.
Beleg: Grant R. et al., Front. Aging Neurosci. 2019 — Teilnehmerbeschreibung
- TesamorelinZugelassene Medikamente
Die Zulassungsstudie umfasste 412 Personen, davon 86 % Männer — wörtlich „412 patients with HIV (86 % of whom were men)“. Zugelassen ist es für beide Geschlechter, belegt ist es überwiegend an Männern.
Beleg: Falutz J. et al., N Engl J Med 2007;357(23):2359–70 (PMID 18057338)
Humandaten ja, Geschlecht unbekannt
6 von 31Es gibt Studien am Menschen, aber niemand hat veröffentlicht, wer daran teilgenommen hat. Das ist kein Detail: Ohne diese Angabe lässt sich nicht sagen, für wen das Ergebnis gilt.
- CJC-1295Forschung / Pipeline
Die Phase-1-Studie nennt als Teilnehmende nur „healthy subjects, ages 21–61 yr“ — eine Aufteilung nach Geschlecht steht nicht in der Veröffentlichung. Wie viele Frauen dabei waren, lässt sich nicht sagen.
Beleg: Teichman S. L. et al., J Clin Endocrinol Metab 2006;91(3):799–805 (PMID 16352683)
- GHRP-2 & GHRP-6Forschung / Pipeline
Die vorhandenen Humanstudien sind sehr klein (6 bzw. 10 Personen) und geben in den Kurzfassungen keine Geschlechterverteilung an. Studien, die gezielt Frauen untersucht hätten, fanden wir nicht.
Belege stehen im Profil.
- IpamorelinForschung / Pipeline
Die einzige grössere Humanstudie (postoperativer Darmverschluss, n = 320) hat im Studienregister keine Ergebnisse hinterlegt — damit auch keine Geschlechterverteilung. Die Grundlagenarbeit von 1998 war rein tierexperimentell (Ratte, Schwein).
Beleg: ClinicalTrials.gov NCT01280344 — Status „Completed“, keine Ergebnisse gepostet
- MOTS-cGehyped — dünne Datenlage
Zu MOTS-c selbst gibt es keine abgeschlossene Humanstudie (eine Phase-2-Studie läuft seit 2026, ohne Ergebnisse). Für das Analogon CB4211 (n = 88) sind im Register keine Ergebnisse hinterlegt, also auch keine Angabe dazu, wer teilgenommen hat.
Beleg: ClinicalTrials.gov NCT03998514 — Status „Completed“, keine Ergebnisse gepostet
- SelankGehyped — dünne Datenlage
Es gibt Patientenstudien mit 60–70 Teilnehmenden, aber die verfügbaren Zusammenfassungen nennen keine Geschlechterverteilung, und die Volltexte sind nur auf Russisch. Die russische Fachinformation führt Schwangerschaft und Stillzeit als Gegenanzeige und verweist für unter 18-Jährige auf fehlende Studien.
Gar keine Humandaten
7 von 31Es gibt keine Studien am Menschen — damit auch keine für Frauen. Alles, was dazu erzählt wird, stammt aus Tierversuchen, Zellkulturen oder Erfahrungsberichten.
- 5-Amino-1MQGehyped — dünne Datenlage
Es gibt keine einzige Humanstudie — also auch keine Daten zu Frauen, Schwangerschaft oder Stillzeit.
Belege stehen im Profil.
- GLOW (Blend)Gehyped — dünne Datenlage
Ein Blend ohne jede Humanstudie — es gibt für diese Mischung keine Daten, weder für Frauen noch für Männer. Auch die Einzelbestandteile sind am Menschen kaum untersucht.
Belege stehen im Profil.
- Melanotan I & IIGehyped — dünne Datenlage
Für Melanotan II gibt es keine Zulassungsstudie und damit auch keine Daten zu Frauen — die veröffentlichte Humanevidenz besteht aus Einzelfallberichten, darunter ein Melanom bei einer 20-jährigen Frau. Zugelassen ist nur Afamelanotid, und zwar für eine seltene Lichtkrankheit, nicht fürs Bräunen.
Beleg: Hjuler K. F., Lorentzen H. F., Dermatology 2014;228(1):34–6 (PMID 24355990)
- SLU-PP-332Forschung / Pipeline
Rein präklinisch — null Humandaten, also auch keine für Frauen. Was in Mäusen passiert, sagt über den weiblichen Zyklus, Schwangerschaft oder Wechseljahre nichts.
Belege stehen im Profil.
- TB-500Gehyped — dünne Datenlage
Zu TB-500 gibt es keine einzige Humanstudie — also auch keine an Frauen. Die Augen-Studie SEER-1 mit dem vollen Tβ4 hatte 12 Frauen unter 18 Teilnehmenden; das ist ein anderes Molekül und auf TB-500 nicht übertragbar.